Warum keine Zuchtprüfungen mehr?!

 

Das ist knapp beantwortet:

 

Ich hatte mir eigentlich – erzürnt über die neue Zuchtwertrechnung – vorgenommen, kein Pferd mehr vorstellen zu lassen:

Ich habe mich entschieden, in der Zukunft keines meiner Pferde mehr in IPO-Prüfungen oder einer Fizo-Prüfung vorstellen zu lassen (also werde ich mit HB II-Hengsten züchten).

Warum? Weil ich die Aussagekraft im Hinblick auf meine Zuchtinteressen anzweifele, sie dafür viel Geld kosten und - meiner sehr subjektiven Auffassung / Meinung nach -  in erster Linie den Vermarktungsin-teressen einiger dienen und den Preis der Pferde in die Höhe treiben, weil natürlich auch die Kosten für eine gute Vorstellung hoch sind - so waren für Árvakur etliche 1000 Euro aus meiner Tasche herausgewandert.

Aber das Wort „eigentlich“ vom Anfang ist schon das Signal. Ich hatte gerade einen sehr netten kleinen Kontakt mit den Züchtern von Thoralfur, Ljósbrás Vater. Und natürlich freut sich auch ein Züchter eines solch prächtigen Hengstes, wenn die Kinder des Hengstes ebenfalls gezeigt werden. Diesen Züchterstolz fühlt sicher jeder (freilich oft auch mit Vermarktungsinteressen verbunden, aber der Stolz bleibt doch). Deswegen überlege ich für das Pferd, was nicht aus meiner Zucht stammt, eine solche Prüfung: also eben Ljósbrá.

Letztendlich auch keine schlechte Variante: geprüfte Stuten und ungeprüfte Hengste :-) Das kennen wir ja eher andersherum.

Und noch ein Gedanke mehr:

 

Der Zuchtwert (Blup) als Maßstab für den Wert für die Zucht – was ist er wert?

 

Blup = Wahrscheinlichkeit, Güte weitergeben zu können, die durch Prüfungleistungen generiert wird oder in früheren Generationen generiert – oder eben nicht generiert worden ist. Je nachdem, ob geprüft wurde – oder darauf verzichtet worden ist. (Wobei dann noch das Problem der Vergleichbarkeit auftritt: gerittene Prüfung Fizo zählt bzw. IPO zählt nicht entsprechend. Ist ja bekannt und schon lange diskutiert.) Der Prozentsatz der Wahr-scheinlichkeit, der im Worldfengur mitgeliefert wird, wird häufig aber gar nicht  mitgelesen: Doch der reine Zahlen-wert des Blups ist ohne diesen ja kaum was wert. Das wird aber selten kommuniziert. Über die Aussagekraft des ermittelten Prozentsatzes kann aber auch gestritten werden, so-lange die Genetik nicht vollumfänglich erfasst und dann einbezogen ist – und das Pferd keine Nachkommen hat, bzw. keine Nachkommen hat, die geprüft sind. Zurück zum Ausgangspunkt: Der Blup-Wert sagt nichts über das konkrete Pferd, dessen Schönheit, Gang und Wesen aus. Der Blup-Wert sagt - auch in Schlussfolgerung daraus - erst einmal nichts über die konkrete Vererbungsleistung eines Pferdes aus. Die zeigt sich tatsächlich erst bei seinen Nachkommen. Aber wie viele Pferde gibt es mit grandiosem Blup – aber ohne Nachkommen.
 

Der Wert kann hinzugezogen werden und ein tatsächlich gutes Pferd noch einmal im Wert steigen lassen, je "reiner" es auf bestimmte Merkmale gezogen ist. Aber mehr Aussage bringt allemal ein Blick auf die Eigenleistung und die der Nachkommen. Denn zu oben genannten Punkten kommt hinzu: Immer wieder gibt es fehlende Werte bei Vorfahren, die die Berechnung verfälschen. Und die Fraglichkeit erhöht sich weiter:  Wie ein Fizo-elite-geprüftes Pferd einen schlechteren Zuchtwert als ein niemals geprüftes Pferd aus anderen Eltern haben kann, erschließt sich mir z.B. nicht. Und: Wie z.B.  die Stute  IS1978258301 - Þrá frá Hólum mit der wahnsinnig guten Nachkommensleis-tung einen deutlich geringeren Zuchtwert als ein ungeprüfter, nachkommensloser  DE2010134664 - Hlynur vom Kronshof II haben kann, macht die Sache irgendwie nicht besser – oder? - auch wenn Unterschiede im (recht unklar wirkenden) Prozentsatz die Aussagekraft oder Aussagelosigkeit des Wertes eben verdeutlichen sollen. Dann als IPZV zu überlegen, z.B. Gütesiegel aufgrund der Basis der Zuchtwerte zu verteilen, finde ich verwunderlich. Noch mehr, wenn dabei nicht der Prozentsatz einbezogen wird. Eine Zuchtentscheidung basierend auf dem reinen Blupwert zu treffen ebenfalls, genauso wie eine Kaufentscheidung. Doch diese Dinge geschehen und ich habe schon mehrere Menschen erlebt, die nach diesem Wert viel Geld eingesetzt haben.

Von diesen Gedanken zum Zuchtwert (ich hoffe, ich habe keinen Denkfehler gemacht, wenn doch, dann würde ich mich freuen, wenn Du / Ihr mir schreibt), würde ich favorisieren, einen Zuchtwert erst dann einem Pferd zuzuteilen, wenn das Pferd selbst geprüft ist und bei einer Stute z.B. mindestens 3 geprüfte Nachkommen (Sport oder Fizo) da sind und bei einem Hengst x Nachkommen. Ein Nebeneffekt: Dadurch wäre auch der Anreiz zur Prüfung von Pferden vielleicht höher, der ja durchaus gewünscht ist.

 

(Und ein kleiner Neben-nach-Gedanke: Ich glaube nicht, dass mein Pferd heute einen anderen Zuchtwert hat als vorgestern. Und ich glaube auch nicht, dass Ljósbrás Mutter, die vorgestern noch einen Zucht-Wert hatte, wirklich - wie nun im Worldfengur festgehalten - "wertlos" ist ;-)

Was ich aber denke, ist, dass diese Blup-Geschichte zum Wettbewerb gehört - und wer ihn macht und propagiert, der wird sicher nicht gegen die eigenen Interessen arbeiten, sondern auf die gute Vermarktbarkeit der eigenen "Produkte" ausrichten. Und zu aller Fragwürdigkeit der Validität kommt noch ein Aspekt: Noch immer orientieren sich die Werte nicht an Gesundheit (die mittlerweile nicht mehr die vielbeschworene Zähigkeit des alten Islandpferdes aufweist), tatsächlicher "Gebrauchstüchtigkeit" in allen Belangen für den einfachen Reiter (Umgang (vom "Einfangen" (hoffentlich eben nicht im Wortsinn) über den freundlich-zugewandten Respekt im Miteinander bis zum Tierarztbesuch, Hufschmied, ...), Rittigkeit (aufmerksame Gelassenheit, Mut und Willigkeit auf dem Ausritt, Freude auf dem Platz, Einfachheit in der "Bedienung" der verschiedenen Gangarten...). Aber ich merke, ich komme wieder ins Schreiben. Also sei nach den letzten zwei Sätzen ein Punkt gesetzt:)

Ich züchte nicht mit guten Zuchtwerten, ich züchte mit guten Zuchtpferden.  :-)

Und ich reite nicht auf Zahlen (hm, wäre das ein Zahlenreiter?), sondern auf Pferden.

25.04.  Ich freue mich über die gestern Abend nachträglich auf der Verbandsseite veröffentlichten Hinweise und Erklärungen zu den neuen Zuchtwerten: https://www.ipzv.de/newsdetail-zucht/neue-zuchtwertschaetzung.html (zuletzt aufgerufen am 25.04.2020 um 09.05)

 

Ein Bruch bleibt: Denn während die Blupwerte sich aus den neuen Gewichtungen der Fizos erge-ben, werden die alten Fizos nicht nach den neuen Kriterien neu gewichtet: also hier so, da so. Aber bei dieser Umstellung konnten – davon gehe ich aus – nicht zwei Systeme gefahren werden. Also musste eine Entscheidung getroffen werden und diese ist vermutlich die gangbarste gewe-sen. Das ist nachvollziehbar.

Die neuen Zuchtwerte basieren auf den neuen Gewichtungsfaktoren der einzelnen  Prüfungsmerkmale

• Sie enthalten den Zuchtwert für den langsamen Galopp (canter)

[…]“ (Quelle s.o.)

 

Doch zu den Unterpunkten bleiben für mich Fragen:

"Die BLUP-Zuchtwerte der älteren Pferde sinken wegen dem erzielten Zuchtfortschritt am stärksten. Aber auch die Pferde, die nur einen geringen Anteil an FIZO geprüften Nachkommen haben oder die selbst nicht geprüft sind oder nur wenige geprüfte Ahnen haben, sinken deshalb besonders stark in ihrem Wert ab.“  und „Nicht geprüftes Pferd -7,7 // Vollständig geprüftes Pferd +0,4 //  […] Stuten mit 5 Nachkommen oder mehr mit absolvierter Zuchtprüfung* +3,0 […]“ (Quelle s.o.) und dazu vorher ge-machte Aussage „Zunächst werden bei den Nachkommen nur die Töchter berücksichtigt, weil der Anteil der Söhne, die  eine Zuchtprüfung absolvieren, eher niedrig ist.“ ??? Wenn eine großartige Stute 'zu viele' Söhne hat, dann zählt das nicht??? Es ist eine nette Wendung in der Geschichte: vom Pat-riarchat, in welchem nur die Söhne zählten – nun zum Matriarchat, in dem nur die Töchter zählen. ;-) Das habe ich aber bestimmt nur falsch verstanden.

Ich bleibe dabei >Wie z.B.  die Stute  IS1978258301 - Þrá frá Hólum mit der wahnsinnig guten Nach-kommensleistung einen deutlich geringeren Zuchtwert als ein ungeprüfter, nachkommensloser  DE2010134664 - Hlynur vom Kronshof II haben kann […]<   auch wenn das Zuchtziel weiterge-gangen ist: Die Kinder und Kindeskinder der Stute sind jetzt in der Zucht – und verdammt gut – auch wenn die Stute alt ist und die Zucht „weitergegangen“ ist.

 

Das PDF erklärt also, was ist – die Widersprüche in der Bedeutsamkeit des Wertes räumt sie aber nicht aus. Dass grundsätzlich eine Umstellung erfolgen musste, verstehe ich aber.

 

Zu den Erklärungen wüsste ich weiterhin noch gerne, wo der ehemals vorhandene Zuchtwert von Ljósbrás Mutter geblieben ist? Denn der fehlende Wert setzt den Wert meiner Stute sehr deutlich runter. (Auch in der Vergangenheit anderer (auch meiner) Pferde findet sich das generelle Problem.)

 

Was für mich am Ende bleibt: Ich habe einen deutlichen Wertverlust meiner Pferde über Nacht erleben müssen, wie bei einem Aktiengeschäft. Wäre ich nicht einfach nur Liebhaber (Freizeit-züchter also), sondern müsste mit den Pferden gewinnbringend (erwerbsmäßig) arbeiten, würde ich – besonders zu Zeiten der aktuellen Krise – einen neuen Schlag versetzt bekommen haben.

 

Ich bleibe bei meinem Vorhaben: Dieses System ist für mich nutzlos: Ich weiß, was mein Zuchtziel ist. Ich kann Pferde sehr gut einschätzen, dabei ist auch ein großer Vorteil, dass ich sie selbst reite und hier mit den Pferden lebe. Das bringt viel mehr "Daten" als jede kleine IPO-Prüfung oder Fizo (kontinuierliche Sportprüfungen finde ich da im Hinblick auf Rittigkeit und Gesundheit schon deut-lich besser :-) Ich beobachte sehr intensiv – wie Ihr gerade auch seht – das „offizielle“ Zuchtge-schehen und positioniere mich dazu. Ich werde kein zusätzliches Geld mehr für Prüfungen ausge-ben, die für mich persönlich keinen Nutzen bringen, so weit geht meine Liebhaberei dann doch nicht.  :-)

 

PS: Das hier sind allgemeine Fragen, die keine Person betreffen, daher auch allgemein auf dieser Seite besprochen. Nichtsdestotrotz hatte ich natürlich auch den direkten Kontakt (natürlich höflich-sachlichen) mit dem Ressort Zucht gesucht, der im 1:1 einseitig blieb, aber nun ja durch die Verlautbarung auf der IPZV-Homepage eine Antwort erfahren hat. Diese ist damit ja auch eine Antwort auf meine Mails und ich bedanke mich sehr dafür. :-)

01.06.2020 Wieder fange ich mit dem WARUM an:

Als kleiner Züchter züchte ich seit Jahren per Definition des IPZV bzw. seiner Vertreter am Zuchtziel ziemlich vorbei (http://www.ipzv.de/newsdetail-zucht/workshop-ipzv-zuchtausschuss-unter-der-leitung-von-marlise-grimm.html zuletzt aufgerufen am 01.06.2020), und nun möchte ich zeigen, dass meine Zucht durchaus ausgesprochen qualitätsvoll ist. Auf die für den kleinen Züchter abwertend suggestive Definition hatte ich mehrfach in der Vergangenheit aufmerksam gemacht. Geändert wurde nichts, also gehe ich davon aus, dass dies die Sicht des IPZV auf Züchter wie mich ist. Prüfungen durch einen Verein, bei dem ich den (subjektiven) Eindruck habe, er habe mich wie oben beschrieben schon "per Definition" in eine feste Schublade gesteckt, möchte ich nicht mitmachen. Einen eigenen Verband anstreben? Eine Idee. Eine andere Pferderasse züchten? War eine kurze Idee – und manche sind schon diesen Weg gegangen. Für mich aber: Nein, ich liebe das Islandpferd. Also bin ich auf diese Idee gekommen – und wenn es für Dich passt, freue ich mich, wenn wir die Idee und Umsetzung im jeweiligen Einzelfall gemeinsam absprechen würden:

 

Wenn ihr ein Pferd aus meiner Zucht,

d.h. vom Grasengrund, habt,

die aus den Jahrgängen 2012, 2013, 2014 oder bald auch 2015 usw. stammen:

Video auf YouTube, das ich frei nutzen darf, und die Originaldatei, die ich ebenfalls frei nutzen darf, beides in hoher Auflösung,

 

auf einer Strecke von insgesamt mindestens 250 Metern bei (s.u.) einer gezeigten Gangart und mindestens 500 Metern bei (s.u.) 3 Gangarten (egal, ob oval oder hin und zurück oder…) + das Pferd muss groß und deutlich zu sehen sein:

entweder taktklarer Tölt in schöner Form oder

150 Euro

taktklarer Tölt und (mindestens) taktklare 2 weitere Gangarten – alle in schöner Form

200 Euro

Entweder das eine Video oder das andere. Zwei würden mir doch leider zu viel :-)

 

 

 

Es sind sehr wenige Pferde, aber vielleicht liest Du es und besitzt ein Grasengrunder Pferd? Ich würde mich über einen Kontakt freuen :-)