Ich bin ein Freund der Kirkjubæ-Pferde, die ich als freundlich-aufgeschlossene, feine und intelligente Reitpferde schätzen gelernt habe. Kirkjubæ-Pferde verbindet man häufig mit schönen, rittigen, lang- linigen Füchsen. Auch bei mir finden sich solch schöne Füchse, so z.B. mein Hengst (ein großartiger Ti- gull-fra-Gygjarholi-Sohn), der all das Genannte wunderbar vereint und an seine Nachkommen weiterge- ben kann. Auch meine Stuten habe ich so ausgewählt, wobei diese selber unterschiedlich viel Kirkjubæ- Blut führen. Und auch wenn ich das herrlich glänzende Fell eines Fuchses im Sonnenlicht wunderschön finde: der Hengst kann die Windfarbe vererben und die Stuten können das Creme- und das Falbgen weitergeben.

 

Ich bevorzuge den lockeren, einfach zu reitenden Tölt guter Fünfgangpferde mit klarer Gangtren- nung und so richte ich meine kleine Zucht auf diese Pferde aus. Ich freue mich sehr an einem Pferd mit guten Bewegungen und hoher Knieaktion, letztere habe ich aber nicht in ihrer extremsten Form als Zuchtziel. Für mich sind Geschmeidigkeit und Fluss in der Bewegung zentrale Kategorien, zu denen auch die Harmonie zwischen Vor- und Hinterhand gehört. Also vielleicht weniger zackige Marschmusik als vielmehr ein Violinkonzert nach Bach :-)

Kein Wunsch nach artifiziellen (Ballett-)Tänzern, ...

... noch  nach gebrochenen Schaufelrad-dampfern.


Aber ein Traum:


Natürlich achte ich auf die Vorfahren meiner Pferde, denn es ist mir vollkommen bewusst, dass hier eine Vererbgungswahrscheinlichkeit - festgehalten im BLUP-Wert - besteht. Aber mir ist ebenso bewusst, dass es sich eben nur um eine Wahrscheinlichkeit handelt, sodass für mich die Anlage des Pferdes, seine Eigenleistung weiter im Vordergrund steht. Und diese kann, muss aber natürlich nicht in einer FIZO-Prüfung bestehen. Ein Muss ist aber, dass ich das Gesamtpaket aus Charakter, Gang und Aussehen als gut erfahren kann - beim jungen Pferd im täglichen Umgang, dann beim An- und Einreiten und natürlich auf dem ganzen weiteren Weg. (Falls ein großer Verbandsfreund dieses liest: Seien Sie mir nicht gram. Doch mein Eindruck ist, dass sich das Islandpferdewesen beinahe schon zu einer Geldrequirierungsma-schine entwickelt und bestimmte Dinge - eben wie eine FIZO oder die diskutierten Gütesiegel - den Sta-tus einer heiligen Kuh oder eher noch eines goldenen Kalbes erlangt haben. Aber es gibt natürlich auch gute Gründe für eine FIZO. So gibt es z.B. Züchter, die selbst nicht reiten bzw. ihre Pferde nicht reiten - hier z.B. bietet eine FIZO solchen Züchtern sicher eine zusätzliche interessante Informationsmöglich-keit.)

 

Und noch ein Gedanke hat sich für mich entwickelt: Es gibt eigentlich drei Arten von Gangpferden: immer sparsame Läufer - sparsame Läufer, die aber dazu angehalten werden können, einen ausdrucks-vollen Gang zu zeigen - und Dauerakrobaten. Und ich entschuldige mich schon für die suggestive Wort-wahl, denn es wird an meinen Formulierungen schon deutlich, was ich präferiere: den klugen Läufer, der aber doch mit dem Reiter bereit ist zu tanzen und dazu auch die Möglichkeit besitzt. Denn natürlich fin-de auch ich einen ausdrucksvollen Gang schön. Aber diese Momente des Spitzensports sind unökono-misch und auf die Spitze getrieben auch aufreibend für das Pferd. Aber so, wie sich ein Pferd durchaus aus lauter Lebenslust oder um zu beeindrucken angeberisch präsentiert, so freue ich mich natürlich auch, solche besondere Schönheit sehen oder auch reiterlich erleben zu dürfen. Also versuche ich genau solche Pferde zu züchten, die im Alltag ökonomisch laufen, aber „wenn es drauf ankommt“ auch eine starke Präsenz und Präsentation zeigen können. Ich möchte ein Pferd, mit dem ich stunden-lang durch das Gelände reiten kann – und wie sinnlos wäre das im Präsentationsmarschschritt, die Fuß-spitzen auf Kopfhöhe geschleudert (ok, ich neige wieder einmal zur Übertreibung) – und ich möchte ein Pferd, das bei Gelegenheit auch durch durchaus imponierenden Gang zu gefallen und zu beeindrucken weiß. Daher ist für mich persönlich z.B.  die zurzeit sehr angesagte Linie von Álfadís frá Selfossi auch weniger interessant - obwohl es natürlich großartige Showpferde sind, die so oft diese gewaltigen Bewe-gungsmöglichkeiten als Dauergabe erhalten haben. (Wie allen anderen gefällt mir aber natürlich trotzdem Spuni frá Vesturkoti, ein Álfastein-Sohn, über alle Maßen. Er hat diese fließenden Bewegungen, die so herrlich harmonisch daherkommen. Und ich warte sehr auf einen Spuni-Sohn in Deutschland, der vielleicht annähernd in Vaters Fußstapfen tritt.)

 

 

Auszug aus der Zucht- verbandsordnung für Islandpferde:

links: allgemeine Zucht- ziele

rechts: Gewichtung der verschiedenen Einzel- merkmale


 

Ich möchte umgängliche Pferde züchten, die die Nähe zum Menschen genießen, und so habe ich meine Stuten und meinen Hengst ausgewählt. Lieber höre ich ein geschmunzeltes "Weiberpferd" über meinen Hengst, als dass ich z.B. auf der Wiese hinter einem meiner Pferde herrennen müsste.

 

Im Ganzen möchte ich aber auch dieses starke Islandpferd im Aussehen und im Charakter, das auch einem Orkan standhaft trotzen kann, einen "Elchtest" überstehen würde ...  ;-). Gut ich übertreibe auch hier, aber nur um deutlich zu sagen, was ich mir wünsche. Das Großartige dieser Pferde ist neben der Freundlichkeit. möglichen Sanftheit und dem sozialen Wesen auch ihr Stolz, ihre Härte, Stärke und Eigenständigkeit und dass sie all das dem Menschen anbieten. Da Árvakur auf der Waage ein klein wenig mehr Gewicht auf die softe Seite bringt, sind die Stuten so gewählt, dass sich die Waage wieder austarieren kann.