Hier will ich nicht über die Jungpferde schreiben, die die Kurve nicht kriegen und deren Augen dann sagen – oh, da ist ja schon der Zaun. Nicht über das kranke Pferd, bei dem man im Stall wacht, obwohl man am nächsten Tag früh zur Arbeit muss. Nicht über eine Hengstbande, die den Weg alleine in den Stall findet und eingehend alle Einrichtung auf mögliche Sicherheitsrisiken untersucht…

 

Und natürlich: Familie, Freunde, Bekannte… Sie stehen ganz oben. Aber das hier ist ja nicht ihre Seite. Das ist die Seite der Pferde. Der Islandpferde.

 

 

Einem jeden der sie reitet,

 

naht sein Glücksstern sich im Raum.

 

Leid verweht, das Leben gleitet leicht dahin -

 

Ein schöner Traum.

 

(Gedicht von Pall Olafson)

 

Ein wundervolles Gedicht.

 

Weil ich kein Dichter bin, und doch meine Leidenschaft und Bewunderung für diese Tiere begründen möchte, muss ich in einfachen und vielen Zeilen schreiben:

 

Bei einem Ritt auf einem der herrlichen Tiere vergisst man die Vergangenheit, den Tag, das Morgen - und das Herz wird leicht. Das „Leid verweht“. Und auch wenn dieses mit dem Wiederauftauchen in das Jetzt ebenfalls zurückkehrt, waren diese Momente doch ein Atemholen. Gleich der ersten  Frühlingsluft im frühen Morgen, die Leichtigkeit und Glück verheißt. Leichtigkeit, Freiheit, glückliche Einheit – ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Die Enge öffnet sich, das drückende Band, das sich um die Brust legen kann, zerrinnt in Rauch, der wie das Leid verweht. Doch nicht nur die schweren Seiten werden leichter – auch die hellen werden strahlender:

 

Der Schlag der Hufe im goldenen Herbstlaub, im Nebel, im ersten Vogelsang des Frühlings – bei vollem Mond im Übergang zur Nacht. Wunderbare Begleitmusik.

 

Diese Bewunderung, die die Brust füllt, wenn man am Weidezaun steht und den jungen Hengsten zuschaut, wie sie im schnellen Wechsel steil aufgerichtet ihre Kräfte messen und dann, den Körper lang gestreckt, im schnellen Galopp dahinfliegen und die große Wiese klein werden lassen.

 

Diese Freude, wenn man die Stute mit dem neugeborenen Fohlen sieht, wie sie dieses mit ihrem weich gewordenen Blick umfängt. Wie die beiden das erste Mal über die Wiese laufen, die eine behütend und sorgend, das Fohlen neugierig und keck den gelben Löwenzahn und die weiße Pusteblume mit langem Hals begrüßend.

 

Die Ruhe, wenn das Mahlen der Mäuler und Schnauben der Nüstern und Scharren der Hufe die Stille des Stalles durchbricht.

 

Und natürlich: Der erste Ritt auf dem herangewachsenen Pferd, dem man als Fohlen auf die Welt geholfen hat. Die Zusage, die man erhält und die man gibt. Der erste Flug – nein, nicht der auf den Hosenboden ;-)  - der erste Ritt voller Leichtigkeit im schnellen Gang mit seinem Gæðingur. Stolz das Pferd und stolz der Reiter.

 

Es ließe sich noch so viel mehr schreiben. Und all das ist es, was einen rüstet, um die Aufgaben, die einem das Leben bereitet, leichter bestehen zu können, bestehen zu können. All das ist es, was Leid verwehen lässt und das Glück anwachsen lässt.

 

Das ist ein großes Geschenk und ich bin den Pferden und dem Leben unendlich dankbar, dass ich es erleben darf.

 

 

Diese Pferde sind meine große Leidenschaft. Und letztendlich lässt sich dieses Feuer, was für diese Tiere brennt, doch nicht abschließend erklären. Es ist einfach da und begleitet mich, seit ich denken kann.